Von einstürzendem Kesselhaus getroffen

Unfallhergang
Das stählerne, ca. 40 m hohe Kesselhaus eines stillgelegten Kraftwerkes sollte im Sprengverfahren, durch Heraussprengen von 2 der 4 kastenförmigen Stahlstützen, abgebrochen werden. Dazu waren, als unterstützende Maßnahme, mehrere Brennschnitte in der Tragkonstruktion und die Entfernung von Aussteifungsdiagonalen im Fußbereich vorgesehen. Das Verfahren wurde von der ausführenden Firma in einer Baubesprechung mit dem Auftraggeber erläutert, ohne dass allerdings auf nähere Einzelheiten (z.B. Lage und Anzahl der Brennschnitte) eingegangen wurde.


Am Vortag des geplanten Sprengtermins wurden vom Abbruchunternehmen die Aussteifungsdiagonalen entfernt und an den Kastenstützen die tragenden Querschnitte durch Brennschnitte geschwächt.


Am Morgen des Sprengtages waren drei Mitarbeiter damit beschäftigt, von einer Hubarbeitsbühne aus Sprengladungen an der Tragkonstruktion anzubringen. Während dieser Arbeiten stürzte das Gebäude vorzeitig in die geplante Fallrichtung um. zwei Mitarbeiter wurden erschlagen, der dritte, der von unten die Bühne bediente, schwer verletzt.

 

Unfallursache
Bei einer gutachterlichen Untersuchung wurde festgestellt, dass vermutlich die im Ausgangszustand noch vorhandene Standsicherheit des Gebäudes durch die Veränderungen an der Tragkonstruktion gefährdet war und dass wegen der wesentlichen Eingriffe ein Standsicherheitsnachweis erforderlich gewesen wäre. Gleichzeitig wird festgestellt, dass eine Abbruchstatik und die in der Abbruchgenehmigung ebenfalls geforderte Abbruchbeschreibung nicht vorlagen. Vielmehr hatte der Abbruchunternehmer die Standsicherheit des Gebäudes „auf Grund seiner Erfahrung“ beurteilt.

 

Mit diesen Massnahmen wäre der Unfall verhindert worden

 

Für Arbeitgeber und Vorgesetzte

Die bei Abbruch- und Sprengarbeiten erforderlichen Sicherheits-
            maßnahmen sind zwingend einzuhalten

So sind unter anderem konstruktive Gegebenheiten, statische
            Verhältnisse sowie Art und Zustand der Bauteile und Baustoffe vor
            dem Beginn der Abbrucharbeiten zu prüfen

Für Abbrucharbeiten muss eine schriftliche Abbruchanweisung an der
            Baustelle vorliegen, die alle erforderlichen sicherheitstechnischen
            Angaben enthält. Auf die Schriftform kann nur verzichtet werden, wenn
            für die jeweilige Abbrucharbeit besondere sicherheitstechnische Angaben
            nicht erforderlich sind

Für Mitarbeitende

Ohne entsprechende Abbruchanweisung und/oder die Einweisung in
            Sicherheitsmaßnahmen darf nicht mit den Abbrucharbeiten begonnen
            werden

 

 

 

 

D-A-CH-S

Internationale Fachgruppe Absturzsicherung

 


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